Samstag, 22. November 2014

Muß immer im Gepäck sein


Meine Erde darf in meinem Reisegepäck auf gar keinen Fall fehlen. Am liebsten hätte ich ja eine mit geologischer Oberflächendarstellung. Gibt es aber leider nicht in so praktischer Ausführung wie diese in meinem Gepäck.


Es gibt die aberwitzigsten Erlebnisse, deshalb bemerke ich besser gleich dazu, daß ich sie nicht für Navigationszwecke einpacke! Halt, halt, wer lacht da. Bei einer Fahrt mit unserem Finkenwerder Kutter "Landrath Küster" sind wir vor ein paar Jahren tatsächlich mal von einem Segler angesprochen worden ob wir ihm helfen könnten, den "richtigen Weg" zu finden.
Klar, kein Problem. Schließlich bestand die halbe Kuttermannschaft aus alten Fischern, die sich allein anhand der Strömungen schon grob in der Nordsee zurechtfinden.
Der Segler verschwand in seinem Boot, kam gleich wieder an Deck, mit einem Shell-Atlas(!) in der Hand, in dem wir ihm doch bitte zeigen sollten wie er jetzt nach Büsum kommt. Und der hat das ernstgemeint.  ...

Erst mal kräftig auf die Zunge beißen – oh ha, hat das wehgetan. Aber sonst hätten wir losgelacht und die nächste Stunde nicht mehr aufhören können.
Wir haben nie erfahren ob der Gute angekommen ist. Andererseits, Vermißtenmeldungen gab es in den kommenden Tagen auch keine.
Also, nicht einmal Shackleton wäre mit so einem chinesischen Grobrasterdruck irgendwo angekommen. Ich brauche meine Erde für einen Plattentektonik-Vortrag. Deshalb wäre mir eine geologische Version auch lieber. Aber auch diese politische Variante funktioniert ganz prima. Denn es kommt im Wesentlichen auf das Innere an – wie bei der Plattentektonik.
Meine Erde hat nämlich den großen Vorteil, daß sie knetbar ist. Sie ist ein Softball. Wie die richtige Erde.


Unser täglicher Eindruck, auf einer festen Kugel unterwegs zu sein, ist eine grandiose Täuschung. Das Ding ist weich.
Und die feste Kruste ist in Relation zum ganzen Erdball noch etwas dünner als die Haut, die unseren Körper umgibt. Darunter ist alles plastisch deformierbar, ab spätestens 2500 Kilometer Tiefe sogar glutflüssig. Das liegt an der stetig steigenden Temperatur, die im schmelzflüssigen Äußeren Erdkern zwischen 3000 und 4000 Grad Celsius liegt. Temperaturen in einem Hochofen sind dagegen Kaffeekränzchen. Der Innere Erdkern, also von rund 5100 Kilometer Tiefe bis ins Zentrum der Erde (6371 Kilometer), ist dann wieder fest. Obwohl er noch heißer ist. Da ist der Druck aber so groß, daß sich nichts mehr bewegen kann: 4000 Kilobar.
An der Stelle hinkt mein Softball. Der ist weich, von Pol zu Pol und überall. Eine Avocado wäre ein ganz guter Vergleich mit ihrem harten Kern.
 
 

Kann ich aber schlecht mitnehmen. Zum einen würde der Zoll in Südamerika ausrasten, wegen Einfuhr von landwirtschaftlichen Produkten. Zum anderen bräuchte ich für jeden Vortrag eine neue. Und die Sauerei müßte ich auch jedesmal beseitigen.
Denn manchmal, wenn meine Erde während des Vortrags ein paar Kreise durch die Zuhörerrunde gedreht hat - alle sollen mal kneten - kommt sie ziemlich runzelig und verbeult zu mir zurück. Das mit einer Avocado...?
Nach einer Ruhestunde in der Kabine hat sich meine Softerde aber wieder erholt.
Tatsächlich sehe ich manchmal ein paar Grobhände daran kneten, daß ich Sorge habe die Softball-Füllung poppt gleich durchs bunte Druckraster nach außen. Bisher ist es gut gegangen. Aber für alle Fälle habe ich für die nächste Saison noch eine Ersatzerde im Regal liegen.

Kommentare:

  1. Hmm, vielleicht irgend eine komische Verknüpfung mit einem google+-Profil? Ich hab das nicht verknüpft, das bringt scheinbar alles durcheinander, habe ich gehört. ;)
    Und: Freue mich schon auf weitere Berichte. Und warte immer noch darauf, dass Du Deinen grandiosen Film mal per Live-Erzähluntermalung genau wie damals auf der FRAM in Berlin vorführst. Mach ein Datum, ich besorg eine Bühne.
    Liebe Grüße
    /inka

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    1. Liebe Inka,
      guter Hinweis. Ich habe es geprüft - keine Verknüpfung vorhanden. Nun gibt es ja schon Kommentare, aber nach wie vor auch Probleme damit. Seltsam...
      "Zum Kältepol der Erde" in Berlin zeigen? Na klar! Darüber sprechen wir. Aber erst einmal wünsche ich Dir großartige Eindrücke auf Deiner kommenden Reise.
      Lieber Gruß
      Andreas

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  2. Einfach genial geschrieben. Freue mich auf die nächsten Artikel.

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